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Tragende Konstruktionen aus tropischen Laubhölzern

Für tragende Konstruktionen (Stege, Balkone, Wintergärten usw.) sind seit der Überarbeitung der Norm EN 1912 (Ausgabe 2024) zahlreiche weitere tropische Holzarten zugelassen. Um die Normbedingungen zu erfüllen, ist eine Sortierung nach der Festigkeit notwendig. Im Holzfachhandel könnten zukünftig geschulte Fachleute diese Aufgabe vermehrt übernehmen.

Was ist eine tragende Konstruktion?

Grundsätzlich ist eine tragende Konstruktion aus Holz das statische Gerüst eines Gebäudes, das Lasten wie Eigengewicht, Schnee und Wind sicher in das Fundament ableitet. Sie besteht z. B. aus Konstruktionsvollholz, Brettschichtholz oder Brettsperrholz und umfasst tragende Wände, Decken und Dachstühle.

Ebenfalls als tragende Anwendung einzuordnen sind Carports, Brücken, Wintergärten sowie Balkonbeläge und aufgeständerte Terrassen ab einer Höhe von ca. 60 Zentimetern über dem Boden. Auch Flächen über Wasser (z. B. Boots- oder Badestege) gelten als tragende Konstruktion. Diese Bauelemente müssen aufgrund ihres Einsatzes im Außenbereich besondere Anforderungen erfüllen. So ist häufig Holz einer bestimmten Festigkeitsklasse gefragt. Ergänzend muss es bei Verwendung im Außenbereich erforderlichen Dauerhaftigkeitsklassen entsprechen.

Terrassendielen, die wie auf dieser Balkonterrasse tragende Funktionen erfüllen, müssen sehr stabil sein. Die richtige Sortierung ist hier besonders wichtig, damit niemand durch die Dielen bricht.

Bisher waren für tragende Beläge im Außenbereich neben Nadelhölzern wie Lärche nur Eichenholz und die tropischen Laubhölzer Afzelia, Angélique (Basralocus), Azobé (Bongossi), Ipé, Keruing, Merbau sowie Teak erlaubt. Nach der Veröffentlichung der überarbeiteten EN 1912 dürfen nun viele weitere Holzarten verwendet werden (siehe Tabelle weiter unten).

Was regelt die europäische Norm EN 1912?

EN 1912 „Bauholz für tragende Zwecke – Festigkeitsklassen – Zuordnung von visuellen Sortierklassen und Holzarten“ legt fest, wie Bauholz nach visuellen Kriterien einer bestimmten Festigkeitsklasse zugeordnet wird. Dabei werden verschiedene Holzarten und deren Herkunft berücksichtigt. Die Festigkeitsklassen basieren auf EN 338, die die mechanischen Eigenschaften von Bauholz standardisiert.

Konkret beschreibt EN 1912, welche visuellen Sortierklassen (also optisch erkennbare Qualitäts- und Festigkeitsmerkmale) bei unterschiedlichen Holzarten gelten und wie diese Klassen den genormten Festigkeitsklassen zugeordnet werden. So wird sichergestellt, dass Bauholz für tragende Zwecke entsprechend seiner tatsächlichen Tragfähigkeit und Qualität klassifiziert und verwendet wird.

Welche Holzarten sind für tragende Konstruktionen geeignet?

Für tragende Anwendungen eignen sich viele Holzarten. Für den harten Einsatz im Außenbereich bieten sich insbesondere tropische Laubhölzer an, da sie meist eine hohe natürliche Dauerhaftigkeit und gute Festigkeitseigenschaften aufweisen. Im Gegensatz zu vielen anderen Holzarten benötigen die in der Tabelle gelisteten Holzarten keine weitere chemische oder thermische Behandlung. Voraussetzung ist eine nachgewiesene Festigkeitssortierung.

HandelsnameBotanischer NameFestigkeitsklasse(n)
Afzelia Afzelia spp.D40
Alep (Banga, Omang)Desbordesia glaucescensD75
AlimiaoPseudopiptadenia suaveolensD40
Amarant (Purpleheart)Peltogyne spp.D55
Angelim vermelhoDinizia excelsaD50
Angélique (Basralocus)Dicorynia guianensisD24/D40
Azobé (Bongossi, Ekki)Lophira alataD60/D70
Bangkirai (Balau)Shorea subg. ShoreaD50
Bilinga (Opepe)Nauclea DiderrichiiD50
Cambará (Jaboty)Erisma uncinatumD35
CumarúDipteryx odorataD60
CupiúbaGoupia glabraD45
Eveuss (Eves, Ngon)Klainedoxa gabonensisD70
GreenheartChlorocardium rodieiD50/D70
IpéHandroanthus spp.D60/D65
IrokoMilicia excelsa, M. regiaD40
JarrahEucalyptus marginataD40
KandaBeilschmiedia spp.D30
KapurDryobalanops spp.D60
KarriEucalyptus diversicolorD50
KempasKoompassia malaccensisD60
KeruingDipterocarpus spp.D30/D50
LatiAmphimas pterocarpoidesD50
LimbaliGilbertiodendron dewevreiD35
LonghiChrysophyllum spp.D50
Mandio (gronfolo)Qualea spp., Ruizterania spp.D40
Massaranduba (Balata Franc)Manilkara bidentata, M. huberiD50/D70
MerbauIntsia bijuga, I. palembanicaD40/D50
Monghinza (Adzacon-aboga)Manilkara mabokeensisD70
MukulunguAutranella congolensisD70
Okan (Denya)Cylicodiscus gabunensisD40
Osanga (Koframiré)Pteleopsis hylodendronD50
Ossoko (Sorro)Scyphocephalium manniiD18
Sapelli (Sapele)Entandophragma cylindricumD40
Tali (Missanda)Erythrophleum ivorense, E. suaveolensD40
TeakTectona grandisD30/D40

Qualifiziertes Wissen im Holzfachhandel

Durch eigens durchgeführte Sortierlehrgänge und -workshops hat sich ein Arbeitskreis aus den Bereichen des Holzimports und Holzhandels zusammen mit Sachverständigen Möglichkeiten erarbeitet, eine norm- und fachgerechte Festigkeitssortierung für tropisches Laubholz durchführen zu können. Es wurde dabei als zentrales Dokument ein Sortierhandbuch erarbeitet, mit dem die in der Tabelle aufgeführten Holzarten visuell nach der Festigkeit sortiert werden können. Für interessierte Mitgliedsbetriebe bietet der Gesamtverband Deutscher Holzhandel (GD Holz) entsprechende Schulungen an.

Sortierlehrgänge und Sortierworkshops im Holzhandel

Die Vorzüge von tropischem Laubholz

Durch die Erweiterung der tragend einsetzbaren Holzarten kann der Nutzungsdruck auf bisher genutzte tropische Laubholzarten reduziert werden. Das ist ein wesentlicher Schritt für mehr Nachhaltigkeit in der Verwendung tropischer Laubhölzer: Nur wenn in Europa möglichst unterschiedliche Holzarten gekauft und verwendet werden, lohnt sich in den tropischen Gebieten die Pflanzung und Pflege von vielen Baumarten. Dieser Artenreichtum ist wichtig für lokale Ökosysteme. Das Prinzip gilt auch für heimischen Holzarten: Sind viele unterschiedliche Holzarten wirtschaftlich interessant, lohnt sich für Waldbesitzende der Waldumbau hin zum klimastabilen Mischwald.

Die meisten tropischen Holzarten sind in Bezug auf Dauerhaftigkeit und Festigkeit unseren heimischen Holzarten überlegen. Sie widerstehen ohne chemische oder thermische Behandlung ganzjährig Wind und Wetter, vertragen Wasserkontakt – und sehen dabei auch noch beeindruckend schön aus.

Da der Holzimport bereits seit 2013 sehr streng reglementiert ist, ist die legale Herkunft von Tropenholz im Holzfachhandel garantiert. Wer sich noch unsicher ist, findet in unseren Artikeln Umweltschutz durch Tropenholz und Sicherheit bei Tropenholz viele weitere Infos, weshalb der Einsatz von tropischen Hölzern eine gute Sache ist.

Eine große Holzvielfalt findest du im Holzfachhandel in deiner Nähe. Hier kannst du die Farben und Maserungen der Holzprodukte besser beurteilen als am Bildschirm. Wer Holz für tragende Anwendungen sucht, findet diese ebenfalls im Holzfachhandel. Noch bietet nicht jedes Unternehmen festigkeitssortierte Ware nach EN 1912 an, es werden jedoch stetig mehr.